Ergriffen – Ziel

Ergriffen beten – Gespräche mit Gott – Theophil Tobler, 2026

Leid und Freude brachten schon viele zum Beten und zum Singen. Davon sagen die 150 ursprünglich hebräischen „Psalmen“ der Bibel; die nachfolgenden 14 „Oden“: Lieder der Septuaginta, des griechischen Alten Testamentes, vom „Lied des Mose“ bis zum „Morgenlied“; und die „Oden Salomos“ vom „Kranz der Wahrheit“ bis zum 42. Lied: „Ich streckte meine Hände aus und nahte mich dem Herrn“ – und die ungezählten christlichen Gedichte, Gebete und Lieder aller Zeiten. Sie wurden durch Jahrhunderte vermittelt als Berichte des Erlebten und als Hilfe in neuen Situationen. Vieles wurde nicht weitergegeben und ging verloren. Einige Gespräche, Gebete und Gesänge möchte ich deshalb weitergeben. Sie sagen vom Klagen, Schweigen, Hadern, Bitten, Fragen, Danken, Anbeten, Jubeln – und bei allem vom Hinhören auf Gott, der uns in Jesus Christus so nahe ist. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten verbindet in einer leidvollen Welt und führt zu neuer Hoffnung.

Ich weiss mit Jeremia: „Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?“ Aber ich bete auch mit Jeremia: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Jer. 17,9 und 14. Die Ausrichtung des in Liebe zu Gott entflammten Herzens ist der Ausgangspunkt der Anbetung. Hoffen und Harren, Tränen und Träume, Freude und Fasten, Leere und Liebe, schauen und staunen schwingen im Gebet mit in der Hinwendung zum gütigen Geber alles Guten.

Die vorliegenden vier mal sieben Gespräche können durch vier Wochen hindurch begleiten. Und, wer weiss, in neuen Situationen aufs Neue weiterführen. Dazu wünsche ich Gottes Segen!

 

Teil 4: Ziel

Du bist beschenkt

Komm. – Du brauchst nicht einsam in deiner Höhle zu bleiben. Komm in den Kreis der Befreiten. Die Freude wartet auf dich. Tritt aus dir und deinem Gefängnis hinaus. Tritt auf den Weg, der Begegnungen bringt.Du bist berufen, das Gute zu erwarten. Deine Augen wollen aufschauen, um Gottes Hilfe zu erkennen. Öffne deine Arme und du wirst umarmt werden. Öffne deine Hände und neues Leben wird dich erfassen. Über zerbrochenen Bildern wirst du in Jesus, dem Christus, das Angesicht Gottes schauen. Selbst am Abend und in der Nacht bittest du: „Herr, bleibe bei mir!“ Und er wird bei dir sein. Er wird dir das Brot brechen, das dich stärkt. Er reicht dir den Kelch der Gemeinschaft. Nicht als Beobachtender hast du Teil; du, du bist beschenkt. Du gibst ihm deine ganze Not, und er gibt dir erfülltes Leben. Du verharrst nicht mehr im Gefängnis, du lebst in Gottes neuer Welt.

Die tausend Fragen halten dich nicht mehr zurück. Du vertraust ihm, deinem Glück. Du weisst: Dein Reden und Klagen helfen nicht weiter. Die Sprache der Liebe öffnet die Türe zum wahren Leben in Gott.  * Leben: Jes. 40,1-8; Luk. 24,29; Röm. 8,28-39

In dir

Könnte ein Baum laufen und fliegen, er würde es tun, um zu leben, statt tödliche Qualen der Säge und Axt zu erdulden. Tag und Nacht läuft die Sonne; sie sendet ihr Licht, damit auf Erden lebe, was geschaffen ist. Das Wasser des Meeres steigt auf zum Himmel, um Land und Garten mit Regen und Bächen zu erquicken. Es wandert das Sandkorn, bis es in der Muschel zur Perle wird. Schwer war der Weg Josephs in die Gefangenschaft, doch in der Fremde war Gott mit ihm; er hat ihn beschenkt mit Frieden und Glück. Zum Tod am Kreuz wurde Jesus geführt, dann aber durch den Tod zur Auferstehung, zur Herrlichkeit beim Vater.

Beschreite den Weg aus dir hinaus und in Christus hinein, der in dir leben will. Die Goldadern göttlicher Güte wirst du finden. Warum wählst du nicht die Fahrt zu Christus in dir, da er doch in dir erstrahlen will wie der Sonnenstrahl im Rubin? Tausendfach entwächst die süsse Frucht dem Erdreich. Wachse und reife wie sie. Jesus Christus, du Sonne des ewigen Lebens, wirke das Wunder bleibender Frucht, denn schön wird in deinem Licht, wer dich wirken lässt.  * Bleibe in ihm: Ps. 146 und Joh. 15

Er umgibt dich

Ertaste, fühle und erfasse das ewige Leben. Nicht mit Gewalt wirst du es rauben. Es ist schon dein im Glauben an den, der das Leben ist, Jesus Christus. Seine Gnade umgibt dich wie ein Mantel. Hülle dich ein. Nimm den Schutz, die Wärme und den Schmuck seiner Liebe an. Nicht mit Gewalt wirst du ihn finden. Doch, suche ihn, – und er ist schon da. Folge ihm nach, und er umgibt dich von allen Seiten. Schaue auf zu ihm, und er hat bereits in dir Wohnung genommen.

Du, Ewiger, du bist mir mehr als alles Schöne einer grenzenlosen Schöpfung. Und sehe ich dich auch nur wie das Licht der Sonne, das sich bei Nacht als Mond in dunkeln Wellen spiegelt, so weiss ich doch: Du bist es. Kein Bild entspricht dir, unfassbare Liebe. Herrlich bist du und gütig, gerecht und heilig. Alles ist Gleichnis, du aber bist und bleibst, und durch dich bin ich immer bei dir.  * Bei dir: Ps. 107; Joh. 1 und 1.Joh. 1

Entzündet zu deiner Schönheit

Wie nahe bist du mir; näher als ich mir selber bin, denn du lebst in mir und umgibst mich von allen Seiten. Ich trage dein Zeichen der Taufe. Deinen Namen trage ich, Herr, Jesus Christus. Weil du mich trägst, trage ich dich in mir. Du machst mich zum Pfeiler in deinem Tempel und zur Regentraufe an deinem Haus. Du – und deine Gaben – in mir; ich – mit allem, was mir ohne dich mangelt – in dir. Du, mein Freund. Und ich durch die Auferstehung für immer eins bei dir. Durch dich habe ich Brüder und Schwestern,Väter, Mütter und Freunde. Du lädst uns ein zu deinem Fest. Dein Kelch der Leiden wird zum Kelch ewiger Freude. Der Speer, der dich traf, – zum Zeichen, dass du dein Leben für mich eingesetzt hast. Dein Feuer brennt in mir. Ich brenne dir. Die Flamme deines Geistes entzündet zu deiner Schönheit und Kraft. Wer auf Erlösung harrt, wird neu geschaffen durch dein Kommen. Still! Still! – Ich höre deine Stimme. Mir gilt dein gnadenvolles Wort. Ich weiss dich da.  * Still: Hiob 19,25-27 und Joh. 20,19-23

Wunder der Auferstehung

Garten „Erde“: Der Morgen bricht an! Dunkel und Angst sind zu Ende! Die verschlossene Rose der Nacht öffnet sich dem Licht. Ihr Duft weckt auf zu neuem Leben. Das Wunder der Auferstehung ist dein Geschenk, du Licht aus Gott.

Noch seufzt die Kreatur. Sie harrt der verheissenen Befreiung. Jesus Christus, Erlöser, du hast die Schwelle zum Innersten des Herzens überschritten. Du machst alles neu. Das Unliebsame weicht. Deine Liebe verwandelt das vergängliche Geschöpf in ewige Vollkommenheit. Gewichen ist der Winter des Todes. Wiedergeboren durch deinen Geist lebe ich in dir im ewigen Frühling des neuen Himmels und der neu geschaffenen Erde.  * Erwartung: Ps. 39 und Römer 8,22-27

Verwirrt von vielen Stimmen

Ihr Liebenden, die Zeit ist da, von dieser Welt zu scheiden. Das grosse Sehnen hat den Ruf vernommen, zu kommen. Verwirrt von vielen Stimmen rechts und links und aus den Tiefen meines eigenen Herzen schaue ich aus nach jenem Zeichen, das alles klärt.

Ihr Liebenden, nur Liebende vernehmen diesen Ruf, der sie verbinden wird für alle Zeit zu einem Leben in lichter Ewigkeit. Ihr liebenden Geliebte: Liebe liebt treu durch alle Zeit.  * Hörend: Ps. 31,1-6; 10-17und Eph. 2,1-10

Dir blüht das Leben

Wenn ich’s dir mit meinen Worten nicht sagen kann, so weisst du doch, dass ich dich liebe. Dir blüht die Rose, und du lässt Dornen verbrennen. Dir will ich blühen und ins Feuer geben, was du willst.

Bin ich still wie ein Fisch, so lebe ich doch in dir. Ich tauche in deine Gegenwart. Von dir bin ich getragen. Dein Siegel auf meinen Lippen lässt mich schweigen. Du weisst warum und wie lange. Vor dir, Christus Jesus, ewiges Wort, bin ich still. Dich will ich hören und durch dich leben. In Gedanken und in Träumen erwäge ich deine Geheimnisse. Immer aber umgibt mich deine allgegenwärtige Liebe.

Ich bin wie ein Samenkorn ins Dunkel gebettet. Nicht sehe ich dich, noch wann was wird. Doch ich warte auf das Zeichen der Auferweckung. Frei vom Gefängnis des Vergänglichen ist in dir das ewige Leben der Vollendung. Dir blüht das Leben  * Schweigen: Ps. 42 und 43 und Joh. 17.

Theophil Tobler, Turbenthal 2026, angeregt durch Texte von D. Rumi

Doxologie 2026: Ehre sei Gott und Anbetung – und Friede auf Erden und den Menschen Barmherzigkeit und Vergebung. – Wir loben dich und wir verkünden dich, wir beten dich an, wir singen dir und sagen dir Dank für deine grosse Gnade und Güte. Herr, Gott, Schöpfer, Erhalter und ewiger Vater! Herr, du Mensch geword’ner Sohn, Jesus Christus. Herr, Gott und Lamm Gottes, der du die Sünde der Welt trägst, erbarme dich unser, nimm an unser Gebet. Der du eins bist mit Gott, deinem Vater, nimm weg das Verfehlen. Du allein bist heilig, du allein bringst zu Recht, du allein bist Anfang und Ende, Christus Jesus mit dem Heiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters. Halleluja, Amen  (der altkirchlichen Liturgie nachempfunden, 2026)